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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 246 mal aufgerufen
 Harz: Steinbrüche
OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 5.507

25.10.2010 01:36
"Neuer" Steinbruch bei Braunlage Antworten

Für mich ist er jedenfalls neu: Wenn man von Braunlage die Serpentinen hinauf Richtung Königskrug fährt, kommt dort, wo es in die Gerade geht rechterhand ein Steinbruch, der bislang im Wald versteckt war. Oder habe nur ich ihn nicht gesehen?

Hat er einen Namen?

OOK.
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kuno Offline



Beiträge: 1.500

25.10.2010 07:52
#2 RE: "Neuer" Steinbruch bei Braunlage Antworten

Hallo Otto,
ja er hat einen Namen: Trift-Steinbruch bzw. Steinbruch Trift.
Er ist kürzlich bei Forstarbeiten wieder freigeschnitten worden. Übrigens unter Anleitung von dem Braunlager Revierförster, der so ganz nebenbei der Vater unseres aktiven Forumsmitglieds und SHE-Fans Martin (SHE-M.L.-Brl) ist.
Über den Steinbruch habe ich -als Braunlager Ortshistoriker- schon einmal einen historischen (Kurz-)Aufsatz veröffentlicht. Neben Fakten gibt es dazu natürlich auch Anekdoten. Versteckt im Gebüsch findet man auch den üblichen Sprengstoff-Bunker.

Gern schreibe ich dazu in den nächsten Tagen hier im Forum etwas (+Bilder) dazu, wenn gewünscht!?

Jörg


OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 5.507

25.10.2010 08:18
#3 RE: "Neuer" Steinbruch bei Braunlage Antworten

Zitat von kuno

Gern schreibe ich dazu in den nächsten Tagen hier im Forum etwas (+Bilder) dazu, wenn gewünscht!?



Ja bitte.

OOK.
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Feldbahn-Alex Offline




Beiträge: 1.266

26.10.2010 06:58
#4 RE: "Neuer" Steinbruch bei Braunlage Antworten

dem schließe ich mich an :-)

Gruß
Alex


kuno Offline



Beiträge: 1.500

31.10.2010 08:56
#5 RE: "Neuer" Steinbruch bei Braunlage Antworten

Hallo zusammen,
hier nun wie versprochen meine vor einigen Jahren enstandene Veröffentlichung über den Steinbruch am Triftweg bei Braunlage. Das eigentliche Thema ist aber der in unmittelbarer Nähe liegende Sprengstoffbunker der Steinbruchs gewesen. Zum Bruch selber wird natürlich aber auch eingegangen. Der Text erstreckt sich im Original über 2 Seiten, ich hoffe, er ist trotzdem lesenswert und nicht zu langatmig. Dazu zwei Bilder, allerdings als word-Datei.
Gruß
Jörg


Das Sprengstoffmagazin im Forstort Trift

Heute ist der Einsatz schwerer Maschinen beim Bau von Straßen und Wegen eine Selbstverständlichkeit. Noch vor rund 100 Jahren aber waren Begriffe wie Bagger, Raupe oder Lastwagen Fremdworte. Wenn man Fahrwege anlegen oder verbreitern wollte, war Muskelkraft gefragt und für schwierige Bodenverhältnisse das Dynamit.

Im Jahre 1903 beantragte das Herzogliche Forstamt Braunlage den Bau eines neuen Sprengstoffmagazins, welches gemeinsam mit der Herzoglichen Straßen- und Wasserbau-Inspektion genutzt werden und verkehrsmäßig leicht erreichbar sein sollte. Ein Jahr zuvor wurde ein alter Sprengstoffbunker in der Nähe des Glashüttenweges am Wurmberg geschlossen. Für modernen Wege- und Straßenbau benötigte aber zum einen die Forst, als auch zum anderen die Straßenbauverwaltung große Mengen Dynamit. Da bot es sich an, für beide staatliche Dienststellen einen gemeinsamen Bunker zu errichten. Als Standort wurde die Abteilung 56 im Forstort Trift ausgewählt, in geringer Entfernung zu der Straßenkreuzung in der sogenannten „Kegelbahn-Kurve“.

In unmittelbarer Nähe liegt auch der Trift-Steinbruch, in dem das Material für den Straßen- und Wegebau gewonnen wurde. Abgebaut wurde hier ein hartes Gestein, das die Einheimischen als „Blaubasalt“ bezeichneten. Tatsächlich hat der Fels einen bläulichen Schimmer. Es handelt sich wohl aber nicht genau um diese Art Stein. Vielmehr bringt die hier anstehende geologische Grenzzone zwischen dem Brockengranit und der weiter anstehenden Grauwacke bzw. Schiefergestein ein durch enorme Hitze beim Hervorstoßen des Granits entstandenes Umwandlungsgestein hervor. Auch der Achtermann, die Jermersteinklippen und die Kuppe des Wurmbergs sind aus dieser Art Stein, das man vereinfacht als „Hornfels“ bezeichnet.

Angelegt worden ist der Bruch vermutlich um das Jahr 1885. Zu der Zeit wurde die Straße im Abschnitt Königskrug – Braunlage rund 1 km weiter östlich verlegt in das Tal des Ulrichswasser verlegt, um das extreme Steilstück der heutigen Bismarckstraße zu entschärfen. Zuvor ging dort die Verbindung entlang, um in Richtung Harzburg/Goslar zu gelangen. Braunlage war über eine kurze Stichverbindung an den Kaiserweg angeschlossen. Der Abzweig lag etwas südlich des Alten Forsthauses Brunnenbach. Noch heute ist im Gelände der Hohlweg gut zu erkennen. Als der Heidenstieg im 19. Jahrhundert dem zunehmenden Verkehr nicht mehr gewachsen war, baute man um 1830 eine neue Straße von Oderbrück über Königskrug und dem Forsthaus Brunnenbach nach Braunlage. Mit einer nach Nordhausen verlängerten Verbindung bekam Braunlage auch eine harzüberquerende Postlinie in Nord-Süd-Richtung.
Und da der alte Verlauf über die Bismarckstraße deutlich zu steil für Kutschen und Pferdegespanne trassiert war, konnte mit dem Bau der neuen Chaussee im Tal des Ulrichswassers mit zwei extra eingebauten Serpentinen eine deutliche Entlastung erreicht werden. Davon profitieren auch heute noch die Autofahrer besonders im Winter. Schwierige Situationen bei glatten Straßen wie z.B. am Torfhausberg kommen hier nur noch selten vor.

Betrachtet man beiliegende Karte genauer, fällt auf, dass es im Grunde zwei Steinbrüche waren. Der westliche Teil war von der Straßenbauverwaltung gepachtet, während die Forst nur einen kleinen Teil im Südost-Bereich nutzte.
Die Lage des geplanten Sprengstoffbunkers direkt an den Steinbrüchen war insofern ideal, da auch dort für den Abbau des Schotters Dynamit benötigt wurde und somit in unmittelbarerer Nachbarschaft gelagert werden konnte.

Das Magazin wurde schließlich genehmigt, wobei es anfänglich noch Differenzen gab, ob man es mit zwei Eingängen und Räumen statt nur mit einem erbauen sollte, da es ja von unterschiedlichen Verwaltungsdienststellen gemeinsam zu nutzen wäre. Man entschied sich für zwei getrennte Kammern und Zugänge, da nur genau vorher bestimmte Personen das Dynamit lagern, beaufsichtigen und herausgeben durften. Und da hatte jede der beiden Verwaltungen eigene Autorisierte.

Der Bunker wurde aus Granit und Beton in den Hang hineingebaut, und wie es bei derartigen Gelassen üblich war, auch seitlich mit Erdreich zugedeckt, damit im Falle einer Explosion wenig Trümmerteile umherfliegen sollten. Die Baukosten mit Material inklusive größerer Mengen Fichtenbauholzes (wohl für die seitliche Hangabstützung) betrugen 1.700 Reichsmark, welche je zur Hälfte von der Herzoglichen Forstkasse und der Herzoglichen Baudirektion getragen wurden. Die Fertigstellung wird in das Jahr 1904 gefallen sein.

Über die Nutzung des Sprengstoffmagazins ist nichts weiter bekannt. Den Akten des Staatsarchivs Wolfenbüttel kann aber entnommen werden, dass in den 1920er Jahren der Bunker weiterverpachtet worden ist. So ist z.B. für das Rechnungsjahr 1924/25 für eine Gebühr von 3 RM als Pächter ein Ernst Hamel genannt, der hier aber auch fast ausschließlich Sprengstoffe für den Gebrauch der Forst lagerte.
Es ist demnach davon auszugehen, dass schon zu diesem Zeitpunkt der Bedarf nach Dynamit stark zurückgegangen war. Denn zwischenzeitlich gab es kräftige Maschinen, die mit ihrer Arbeit die gefährlichen Sprengungen ersetzen konnten.

Auf beigefügtem Foto ist der heutige Zustand des Bunkers zu erkennen. Natürlich ist er seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt worden.
Er ist übrigens nach Aussagen alter Einheimischer fast einmal versehentlich gesprengt worden. Jugendliche Braunlager sollen in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg hier mit lagerndem Sprengstoff gespielt haben. Dabei hat es eine laute Explosion im Bunker gegeben, der aber dadurch nur wenig abbekommen hat, denn wir solch einen Fall ist er schließlich auch geschaffen worden.

Dateianlage:
Bunker Trift.doc
Karte Triftbruch.doc

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