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Dieses Thema hat 8 Antworten
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 Harz: Steinbrüche
jaffa Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 574

14.09.2010 17:33
Steinbrucharbeiter, Steinmetze Antworten

Im Zusammenhang mit der BAE geht es darum, eine Vorstellung zu entwickeln, wie der Arbeitsalltag in Steinbrüchen ausgesehen haben kann. Neben den Gerätschaften und Werkzeugen geht es dabei auch um die Frage, wie Steinbrucharbeiter damals ausgesehen haben und bekleidet waren.
Die Bilder von Harzer Steinbrucharbeitern, die ich bisher kenne und auf denen Menschen im Detail zu sehen sind, stammen aus den 50er Jahren.

Ich habe deshalb recherchiert, was es an andernorts an Steinbruchbildern aus der Zeit Anfang bis Mitte des 20. Jh. gibt, und habe Aussagen über die "Berufkleidung" von Steinmetzen gesammelt.

Zwei Bildfunde aus dieser Recherche: ein Bild von 1903 aus einem Steinbruch des Ortsteiles Seebergen/Landkreis Gotha, das auf der Website von Seebergen veröffentlicht ist (dort das dritte Bild in der Galerie).

... und ein undatiertes Bild von der Website der Stadt Neckabischofsheim

Bringt man diese Bilder mit den aktuellen Beschreibungen zusammen, die das Traditionsbewusstsein der Steinmetze betonen, lassen sich daraus Rückschlüsse ziehen:

aus Wikipedia: Steinmetz > Steinmetztraditionspflege
Die Steinmetzen sind im heutigen Handwerk eine der wenigen Berufsgruppen, die ihre Traditionen pflegen. Eine einheitliche Zunftkleidung gibt es zwar nicht, dennoch legt ein Teil der Beschäftigten Wert darauf, die blaue Schürze zu tragen, ein altes Berufs-Erkennungszeichen der Steinmetzen und Steinbildhauer.

Bei Wapedia wird erwähnt, das die Schürzen häufig aus Leder waren:
Da der Schurz ursprünglich dem Schutz bei der Arbeit eines Steinmetzen diente, war dieser Werkschurz häufig aus Leder, reichte bis zu den Knöcheln und hatte eine Klappe mit Knopfloch zu ihrer Befestigung an der Kleidung. Während der Geselle seine Klappe seinen Fähigkeiten entsprechend an der Kleidung befestigen musste, ließ der Meister sie auf den Schurz herabfallen. Die Stellung der Klappe wird noch heute häufig als Gradabzeichen verwendet. Aus diesen Werkschurzen entwickelte sich der heutige rein symbolische Maurerschurz, den es seitdem in vielfältigen Varianten gibt.

Verschiedene aktuelle Zitate zur Traditionspflege:

Gesellenfreisprechung am 15.09.2006 auf Schloss Augustusburg:
Alle frisch geschlagenen Gesellen erhielten eine neue Schürze, die mit einem Spitzeisen dreimal durchbohrt wurde. Der stellvertretende Obermeister der Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Chemnitz, Frank Böttger, erläuterte, dass alle drei Löcher am nächsten Arbeitstag ordentlich und eigenhändig umsäumt sein müssen. Nachdem jeder seinen Bierkrug geleert hatte, wurde das Steinmetzlied angestimmt, ein ordentliches Mahl aufgetragen und zünftig gefeiert.

Frankenpost, 14.9.2010: Ein letzter Schlag zum Abschied
Wunsiedel - Historisches Steinmetz-Brauchtum lebte bei der Freisprechungsfeier der Lehrlinge am Europäischen Fortbildungszentrum für das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk (EFBZ) auf. Die Schule erhob die Lehrlinge nach alter Sitte in den Gesellenstand. (...) Nach dem Anlegen der Steinmetz-Schürze mussten sie ihre ersten drei Schläge als Gesellen, ein starker und zwei schwache Schläge mit Hammer und Meißel auf einen Steinblock ausführen und erhielten danach ihre Zeugnisse überreicht.

Aus einer Sendung des Bayerischen Rundfunks:
... Neumeyer sitzt in seinem Büro, das natürlich ganz mit Juramarmor ausgelegt ist. An der Wand hängen Fotos seiner Vorfahren. Steinbrüche in den 30er Jahren, Steinbrecher mit Schiebermützen und Schürzen. Pferdekutschen, die die Platten wegschaffen ...

Kronacher Sandstein-Akademie: Besuch im oberfränkischen Kronach
Hinter den gewaltigen Mauern der Festung vernimmt man ein kontinuierliches Hämmern. Frauen und Männer in Arbeitskleidung und mit Schutzbrillen rücken mit Meißeln und Fäusteln klobigen Steinblöcken zu Leibe. Ein älterer Herr, der eine blaue Schürze trägt, das Erkennungszeichen der Steinmetze, steht den Kunst-Amateuren mit Rat und Tat zur Seite ...

Hier gibt es heute die Steinmetzschürzen (aus Leder, aber auch aus Gummi und Stoff):
http://www.steinwerkzeug.de/shop/index.p...8e488b8b266ff65


Resümee: Viele Steinbrucharbeiter trugen und tragen (blaue) Schürzen. Die konnten aus unterschiedlichen Materialien und von unterschiedlicher Form sein und – da es teilweise eher um Tradition als um tatsächliche Funktion ging – durchaus auch zu einer "symbolischen" Schürze reduziert werden, wie sie in Form der kleinen dreieckigen Schürzen auf den beiden verlinkten Fotos zu sehen sind. Kopfbedeckung scheint auch "Plicht" zu sein ... während auf dem Foto von 1903 vorwiegend Hut getragen wird, haben auf dem späteren, undatierten zweiten Foto die Schiebermützen schon einen leichten Überhang gegenüber den Hüten.

Gruß --- Jürgen


Gruß --- Jürgen


Volka Offline




Beiträge: 4.592

14.09.2010 21:06
#2 RE: Steinbrucharbeiter, Steinmetze Antworten

Schön, aber hat man insbesondere in den höher gelegenen Steinbrüchen des Harzes im März bei der Gefahr von Schneefall überhaupt gearbeitet? Im Winter ging da bestimmt wochenlang oder sogar über Monate gar nichts. Ich würde - ohne jedoch einen Beleg zu haben - auf Saisonarbeit tippen.

Volker


jaffa Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 574

15.09.2010 10:49
#3 RE: Steinbrucharbeiter, Steinmetze Antworten

Hallo Volker,

ebenfalls ohne einen Beleg zu haben: auf Saisonarbeit tippe ich nicht ... und die »Gefahr von Schneefall« wird auch niemanden davon abgehalten haben, im Steinbruch zu arbeiten. Dass es Situationen gegeben hat, »wo gar nichts mehr ging«, davon gehe ich aus; unterstelle aber zugleich, dass diese Phasen so kurz wie möglich gehalten wurden.
Als einzigen Beleg dafür, dass die Arbeiter im Harz keine Weicheier und Warmduscher waren, kann ich nur dieses Foto vom Bahnbau der Strecke CLZ nach Altenau anfügen:



Hier ließ sich im Winter 1914 auch bei Schnee niemand davon abhalten, an der Bahnstrecke zu arbeiten ... ähnliche Arbeiten in knapp 600 Metern Höhe, wie man sie sich auch im Steinbruch vorstellen könnte.

Ansonsten gilt mit Blick auf die BAE wieder die kompromisslerische Modellbahner-Planungsfreiheit: beim Gesamtmotiv der BAE soll das Typische der Harzlandschaft dargestellt werden. Dazu gehört auch (partiell) Schnee, zumindest auf dem Brocken. Die gewählte Jahreszeit ist frühes Frühjahr, wo noch in Teilbereichen Schnee liegt.
Was hältst du von folgender Legende: nach dem heftigen Winter 1935/36 wurden die letzten Märztage überraschend warm. An den Südhängen war der Schnee bereits seit gut einer Woche komplett geschmolzen ... nur an Nordhängen und in Höhen oberhalb 800 Meter hielten sich noch hartnäckig letzte Reste ...

Aber zurück zum Thema: die Steinindustrie war im Harz um die Jahrhundertwende und bis in die 30er Jahre so ein bedeutender Wirtschaftszweig, dass von »Saisonarbeit« sicherlich keine Rede sein kann. Um die Jahrhunderwende gab es im Harz und Umland 200 Betriebe mit ca. 3500 Beschäftigten, andere Zahlen habe ich momentan nicht. Die Steinbrüche im Harz sind überwiegend an Südhängen ... vielleicht auch aus den Gründen, über die wir nachdenken (?)

Gruß --- Jürgen


Harzwanderer Offline



Beiträge: 1.226

15.09.2010 11:19
#4 RE: Steinbrucharbeiter, Steinmetze Antworten

Hallo Jürgen,
auf dem von Dir verlinkten Steinbruch-Foto von Seebergen scheint mir auch ein ganz interessanter Breitspur-Kran zum Transport der gebrochenen Steine zu sehen zu sein. Zwar leider nur angeschnitten auf dem Foto, aber immerhin. Alternative zum Derrick ...?
Viele Grüße, Bernd


jaffa Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 574

15.09.2010 13:03
#5 RE: Steinbrucharbeiter, Steinmetze Antworten

Radio Eriwan antwortet: »Im Prinzip ja, aber ...«

... bei den Harzer Steinbrüchen gibt es etliche Belege für Derricks, entweder mit Holz-Stützbäumen oder mit Seilen abgespannt. Und es gibt (z.B. Knaupsholz) über den Steinbruch gespannte Transportseilbahnen. Für fahrbare Kräne der Art wie in Seebergen kenne ich aus dem Harz keine Belege.

... für den BAE-Steinbruch haben wir bereits einen Derrick. Ich glaube OOK wäre nicht einverstanden, wenn wir den wieder demontieren.

... du bringst mich durch deinen Impuls auf eine andere Idee: Wir bewegen beim BAE-Steinbruch mit dem Derrick Steine von der mittleren Ebene auf die unterste Ebene und setzen den Derrick ein, um von der untersten Ebene Waggons auf dem Ladegleis zu beladen. Auf der untersten Ebene werden größere Steine mit Plattenwagen auf den dort verlegten Gleisen bewegt. Aber wie kommen sie von diesen Wagen zur Bearbeitung herunter und nach der Bearbeitung wieder rauf, wenn sie nicht mehr im Schwenkbereich des Derricks sind? Das schreit förmlich nach einer Kranlore:



Das Foto stammt aus dem Fundus von Steinbruch-Fotos, die mir OOK zur Verfügung gestellt hat; wer das Foto gemacht hat, weiß ich leider nicht ... als Ortsangabe steht "Herrenleite" dabei.

Gruß --- Jürgen


pollux Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 331

15.09.2010 17:57
#6 RE: Steinbrucharbeiter, Steinmetze Antworten

Freue mich schon auf Morgen, da gibt's die Kranlore hier als Model zu sehen,
Dieter

Herzliche Grüße, Dieter


Volka Offline




Beiträge: 4.592

15.09.2010 20:32
#7 RE: Steinbrucharbeiter, Steinmetze Antworten

Hallo Ausbeuter-Jürgen ;-)

deine Erklärung klingt für mich sehr plausibel und der Zeit sicherlich angemessen - auch für Sonnabends.

Genau wie Dieter freue ich mich auch schon auf das wohl morgen zu sehende Modell der Kranlore. Vielleicht gibt es ja heute Abend schon einen kleinen Bericht mit Bildern vom Erlkönig?

für das Foto vom Bahnbau!

Volker, Extremwarmduscher


jaffa Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 574

15.09.2010 22:37
#8 RE: Steinbrucharbeiter, Steinmetze Antworten

Da hab ich mich wohl ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt. Aber vielleicht ist ganz gut, wenn Dinge, über die ich mal unverbindlich laut nachdenke, nicht gleich am nächsten Tag in die Tat umgesetzt werden.

Wie ihr beim »Alten Knacker« sehen könnt, gibt es noch ein paar andere Sachen, die abgearbeitet werden müssen.

Aber eine Kranlore wird es nun auf jeden Fall geben, weil sie für das Konzept des Steinbruchs ausgesprochen sinnvoll ist. Aber ...

1. wird das nicht morgen sein.
2. wird nicht in diesem Thread darüber berichtet, sondern im Feldbahn-Thread.
3. wird die Lore anders aussehen als die hier im Bild gezeigte. Damit sie sinnvoll für die angedachten Zwecke eingesetzt werden kann, muss der Kran auf der Lore drehbar sein.

Ich hoffe, Dieter und Volker, ich habe euch nicht allzu sehr enttäuscht.

Gruß --- Jürgen


Jürgen Offline




Beiträge: 835

16.09.2010 19:19
#9 RE: Steinbrucharbeiter, Steinmetze Antworten

Moin

Der Feldbahnkran soll vom Steinbruch Knaupsholz (bei Schierke) direk zum heutigen Feldbahnmuseum gekommen sein. Aufgenommen wurde das Bild im Jahr 2003. So wurde es mir damals übermittelt.

Tschüß Jürgen


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