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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 757 mal aufgerufen
 Harz: Steinbrüche
OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 5.507

23.11.2007 18:33
Bedeutung und Wertschätzung von Steinbrüchen Antworten

Während man in Großbritannien stapelweise Bücher über Steinbrüche kaufen kann, scheint das hierzulande kein Thema zu sein. Das Buch über das "Blaue Gold von Lehesten" ist eins der wenigen Titel, die in den letzten Jahren erschienen sind.
Steinbrüche sind genau genommen Bergwerke, Tagebaue, und seit eh und je wichtige Rohstofflieferanten.
Der Harz mit seiner besonderen Vielfalt an Gesteinen war einst ein Eldorado der Steinbruchindustrie, heute gibt es nur noch wenige, dafür umso größere Steinbrüche.
Ich würde mich freuen, wenn wir hier gemeinsam zusammentragen könnten, was wir über Steinbrüche im allgemeinen und natürlich speziell im Harz wissen und in Erfahrung bringen können. Das interessiert unter dem Aspekt der Harzkunde wie auch aus modellbahnenrischer Sicht, denn auch bei betriebsorientierten Anlagen sind Steinbrüche wertvolle Verkehrsgeneratoren.
Über eure Mitarbeit würde ich mich freuen.

OOK.
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OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 5.507

23.11.2007 18:35
#2 RE: Bedeutung und Wertschätzung von Steinbrüchen Antworten

Als Einsteig hier ein Link zu einer Übersicht über Steinbrüche in Deutschland:
http://www.geodienst.de/fotoalbum.htm
Es ist sogar ein Bild aus dem Steinbruch Knaupsholz an der Brockenbahn dabei.

OOK.
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Volka Offline




Beiträge: 4.508

26.11.2007 19:37
#3 RE: Bedeutung und Wertschätzung von Steinbrüchen Antworten

Hallo,

habe eine kleine Anmerkung: Steinbrüche sind keine Bergwerke. So sagte man mir es jedenfalls, wenn ich mich recht erinnere, als ich zu Beginn der Neunziger im Oberbergamt in Clausthal nachfragte, ob Unterlagen zu den Steinbrüchen mit Bahnanschluß im Harz vorhanden wären. Insofern gab es auch dort keine Unterlagen. <Klugscheißmodus aus>

Volker


Zackel Offline


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Beiträge: 968

04.02.2008 21:40
#4 RE: Bedeutung und Wertschätzung von Steinbrüchen Antworten

Ich füge mal einen Ausschnitt aus der TK25 2305 - Wernigerode aus dem Jahr 1909 bei.


Aus ihr wird sehr gut deutlich, welche Bedeutung damals die Steinbruchindustrie für die NWE hatte: man beachte die beiden Gleisanschlüsse gegenüber der Steinernen Renne, den Bremsberg hinauf zum Kantorkopf nebst horizontaler Förderbahn, welche die eigentlichen Gewinnungbetriebe erschließt - und erneut über zwei schiefe Ebenen hinab zum Granitwerk im Tal der Braune Wasser führt. Da müsste ich glatt mal nach Feierabend eine kleine Spurensuche veranstalten - aber erste dann, wenn das weiße Zeuch weg ist und bevor die Brombeeren alles dichtmachen. Kann von dieser Gegend jemand von Euch berichten?
Schaut Euch auch mal die ganzen Steinbrüche westlich des eben beschriebenen Komplexes an - da muss ja vor 100 Jahren einiges los gewesen sein.

Glückauf

Jörn

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"Da steht zu befürchten, das es in Mode kommt und als ungeheuer versnobt gelten wird, den Februar in Braunlage oder Altenau zu verbringen."


Bergmensch Offline




Beiträge: 3.236

05.02.2008 19:03
#5 RE: Bedeutung und Wertschätzung von Steinbrüchen Antworten

Hallo Jörn,
schön das auch Du dieses Meßtischblatt hast. Für Dein Vorhaben bist Du leider ca 20 Jahre zu spät dran. Denn die Forstwirtschaft hat oben auf dem Kamm des Beerberges und des Hippeln einen Autobahnähnlichen Forstweg angelegt und fast alle Zeitzeugen damit vernichtet. Bis vor einigen Jahren war alles noch ziemlich genau zu erkennen. Es gab oben auf dem Kamm eine elektrifizierte Lorenbahn zum Transport der Steine von den Abbruchstellen zu den Bremsbergen am Thumkuhlental und am Bahnhof Steinerne Renne. Habe ich aus Berichten älterer Hasseröder Einwohner welche zum Teil sogar noch leben erfahren.
Aus eigenen Erleben kenne ich das auch nicht. Ein Überbleibsel ist zum Beispiel das Kraftwerk an der Steinernen Renne, welches mittels Wasserkraft den Strom für diese Lorenbahn lieferte. Aber einige Sachen wirst Du bestimmt noch erkennen können. Viel Spass beim erkunden und wandern.
MfG Reiner

Gruß von ganz oben, der Bergmensch 🙋‍♂️


OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 5.507

05.02.2008 20:33
#6 RE: Bedeutung und Wertschätzung von Steinbrüchen Antworten

Na, gibts da noch Leute in diesem Forum, die Harzer Schmalspur-Spezialitäten http://www.ferrook-aril.de/schmalspur/fa_schmalspur_hss.html nicht kennen? Ich habe ja vor Jahren die von Zackel vorgeschlagenen Wanderungen und Forschungen durchgeführt und sie in einem entsprechenden Beitrag im genannten Buch veröffentlicht.

OOK.
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Jürgen Offline




Beiträge: 835

06.02.2008 06:12
#7 RE: Bedeutung und Wertschätzung von Steinbrüchen Antworten

Hier einmal eine Abhandlung aus der Zeitung Harzbahnpost 2002-1. Weitere Artikel Zum Steinbruch Königsberg Harzbahnpost 2003-1 und Knaupsholz Harzbahnpost 2003-2 !!!

Granitsteinbruch Steinern Renne

Schon seit dem 16. Jahrhundert wurde oberhalb von Hasserode, damals noch ein selbstständiges Dorf, am nördlich angrenzenden Pieperberg sowie am südlichen Beerberg nachweislich Bergbau betrieben. Bereits im Jahre 1899 als die Harzquer- und Brockenbahn am 27. März erstmals ihr gesamtes Streckennetz zwischen Wernigerode-Nordhausen nebst Abzweig Drei-Annen Hohne-Brocken befuhr, befand sich die Harzer Granitsteinindustrie in voller Blühte.
Im gleichen Jahr wurde die Aktiengesellschaft “Schotter- und Granitwerke Steinerne Renne“ gegründet. Um den Bahnhof Steinerne Renne herum erfolgte zur Gewinnung von Baufreiheit, ein großer Kahlschlag. Der Aufbau der gesamten Betriebsanlagen des Granitwerkes wurden im gleichen Jahr in Angriff genommen. Das Werk mit all seinen Einrichtungen wurde im Breitental dem Eingang zum Rennetales errichtet. Das Werk erhielt am Bahnhof Steinerne Renne, direkt am Kurveneingang (von Hasserode her gesehen) einen Gleisanschluss zur Harzquerbahn, welcher noch heute zuerkennen ist.
Zur Energieversorgung wurde ein eigenes Wasserkraftwerk (liefert heute noch Strom) mit zwei 125 PS starken Wasserturbinen errichtet. Das Wasser welches hierzu benötigt wird, wird unterhalb des Wasserfalles der Steinernen Renne (am Hotel zur Steinernen Renne) durch ein Wehr angestaut und durch Rohrleitungen Richtung Beerberg vorbei am Silbernen Mann, im freien Gefälle von 120 Metern herabstürzend den Turbinen zugeführt. Diese Energie reichte zunächst für alle Transportanlagen sowie zur Heranschaffung und Verarbeitung des Gesteins in den Brüchen aus.
Zu den Transportanlagen gehörte auch eine zwei Kilometer lange Feldbahn mit 600 mm Spurweite. Dies war eine elektrisch betriebene Steinbruchbahn mit Oberleitung, welche oben über den Beerberg ohne nennenswerte Steigung verlief und das Gestein aus den einzelnen Brüchen zur Steinernen Renne in das verarbeitende Granitsteinwerk als auch bis an den Bremsberg im Thumkuhlental beförderte. Heute ist die Trasse ein gut ausgebauter Forstweg welcher bei Waldarbeitern den Namen „Die elektrische Bahn“ aber auf Landkarten den Namen „Kohlweg“ trägt. Leider wurde so gut wie nichts von dieser frühen elektrischen Bahn überliefert. Auf alten Ansichtskarten sind nur die elektrischbetriebenen Seilzuganlagen zu den Talstationen ersichtlich welche teilweise zweigleisig verliefen. Zweigleisig bezieht sich hier aber nur auf die Ausweichstellen, denn für das herablassen bzw. für das bergan ziehen der Fahrzeuge waren nur insgesamt drei Schienen verlegt.
Der Bremsberg befindet sich mit dem dazu gehörendem Schotterwerk (heute eine Ruine, 381 m ü.N.N.) im Thumkuhlental und hatte einen 70 m langes Gleisanschluß zur Harzquerbahn. Etwa 130 m oberhalb des Schotterwerkes (den Bremsberg hinauf) befand sich eine 160 m lange Ausweichstelle. Von dieser Ausweichstelle zweigte nochmals eine elektrische Seilbahn bzw. Lorenbahn ab. Überreste vom Maschinenhaus und sogar Schienen sind hier noch sichtbar. Bis zur Bergstation (450 m ü.N.N.) mussten nochmals 130 m Strecke steil bergauf bewältigt werden. Auch hier sind die Überreste einzelner Anlagen noch gut zuerkennen. Von hieraus wurde das gebrochene Gestein mit der elektrischen Bahn befördert.
Im Granitsteinwerk Steinerne Renne mit seinen zahlreichen Steinbrüchen wurden in Spitzenzeiten bis zu 250 Arbeiter beschäftigt. Der Harzgranit welcher in den zurückliegenden Jahren in den Steinbrüchen am Ottofelsen, Birkenkopf und den Wolfsklippen gebrochen wurde, diente vorrangig zur rechtseitigen Uferbefestigung des Rheins bei Köln. Die geologische Landesanstalt ermittelte, das sich im Harzgranit der geringste Eisengehalt befindet. Es handelt sich hierbei um blaugrauen, rotem und grünen Granit. Trotz dieser Vorzüge kam es Aufgrund stetig steigender Transportkosten und immer schlechter werdender Gesteinsvorkommen (es wurden auch Gestein- und Geröllhalden abgetragen und verarbeitet) sowie ungünstig gelegener Brüche kam es 1910 zur ersten Betriebseinstellung. Im Gebirge wurden alle technischen Anlagen vollständig zurückgebaut. Im Rennetal, wo sich das Stammwerk mit seinen verarbeitenden Werksanlagen befand, versuchte man einen Neuanfang. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges scheiterte auch dieser Versuch.
Erst 1919 wurde das seit Jahren lehrstehende Gelände mit neuen leben erfüllt. Hugo Wiesengrund verlagerte von Berlin seine Marmorwerke in das Rennetal. Zur Energieversorgung wurde noch zusätzlich eine Dampfmaschine benötigt. 1930 übernahm die Transatlantische Handels-Aktiengesellschaft das Granitwerk und versuchten mit billigerem schwedischen, griechischen und französischen Marmor sowie ausländischen Arbeitern das Werk effektiver zu Betreiben. 1935 musste hier im Rennetal der Betrieb gänzlich eingestellt werden. Am 25.12.1944 wurde das dem Verfall preisgegebene Gelände durch 500 Häftlinge des KZ Buchenwald, Außenlagers Wernigerode (Veckenstetterweg) belegt. Sie mussten die ehemalige Rüstungsindustrie in der Argenta-Schokoladen-Aktiengesellschaft, wo während des Krieges Flugzeugteile hergestellt wurden, in Wernigerode-Hasserode unterstützen. Mit der Auflösung des KZ - Außenlagers am 10.04.1945, einen Tag, bevor die 9.amerikanischen Panzerarmee Wernigerode besetzte, endete auch dieses dunkle Kapitel.
Die neuerliche Zivilenuzung begann noch im Jahre 1945, mit der Steinmetzgerei Kirchner. 1948 folgte die Maschinenschlosserei Born, welche sich im Maschinenhaus des Wasserkraftwerkes ansiedelte. Ein kleiner Teil des Geländes wurde ab 1952 als Kinderferienlager durch die Konsumgenossenschaft Wernigerode genutzt. Zur Unterbringung dienten kleine Baracken welche von der aufgelösten Naturheilanstalt R.Just im Eckertal stammten. Die Aufgrund der innerdeutschen Teilung geschlossen wurde. Im Jahre 1964 wurde das restliche Gelände durch die Firma Auto-Licht-Krause übernommen welche später durch die Firma VEB Instandsetzungsbetrieb für Batterien und Flurfördergeräte abgelöst wurde welche 1990 wiederum in die heutige Firma WERBAT, Wernigeröder Batterien aufging.

Reste vom Lokschuppen sowie Schwellabdrücke welche sich über fast 100 Jahre erhalten haben sind im Jahr 2007 dem Forstwirtschftlichen Wegebau zum Opfer gefallen.


OOK Offline


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Beiträge: 5.507

26.02.2008 09:04
#8 Bedeutung und Wertschätzung von Steinbrüchen Antworten

Bei Wikipedia fand ich ein sehr schönes Bild des Steinbruchs am Wurmberg. Eingestellt ist es von einem "Kassandro", der im Landkreis Goslar wohnt. Kennt ihn jemand?

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Wurmbe...h.jpg#filelinks

OOK.
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jaffa Offline


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Beiträge: 574

01.06.2010 16:35
#9 Steinindustrie im Harz, insbesondere Innerstetal Antworten

Bei meinen Recherchen zur Innerstetalbahn stieß ich auf ein hochinteressantes Buch aus den Buchveröffentlichungen des Deutschen Bergbau-Museums Bochum:

Christoph Bartels / Karl Heinrich Kaufhold / Rainer Slotta (Hrsg.): Montanregion Harz, Bd. 4, Claudia Küpper Eichas: Vom Montanrevier zum Krisengebiet. Niedergang, Perspektiven und soziale Wirklichkeit im Oberharz, 1910-1933
Jahr 2002 / 347 Seiten, ISBN 3-921533-94-5; das Buch ist im Buchhandel oder im Online-Shop des Museums für 28,– Euro erhältlich.

Unter anderem befindet sich darin ein Kapitel zur Steinindustrie, das in diesem Zusammenhang eine sehr gute informative Ergänzung ist. Hier ein Langzitat daraus:

Zitat
In der Bergstadt Wildemann existierte bis zum Jahre 1916 ein ausgedehnter Steinbruchbetrieb am Adlersberg. Das im Eigentum des Forstfiskus befindliche Gelände war von der Firma Siegheim gepachtet worden, die hier 400 bis 500 Arbeiter beschäftigt hatte. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der größte Teil der Arbeiter zum Militär eingezogen. Die zahlreichen Ausländer, zum größten Teil Italiener, die dort gearbeitet hatten, waren bereits vor der Mobilmachung in ihre Heimat zurückgekehrt. 1915/16 musste der Betrieb dann gänzlich stillgelegt werden. Das im Steinbruch vorhandene Feldbahnmaterial wurde samt Zubehör während der Kriegsjahre an die Heeresverwaltung abgegeben. Im Jahre 1921 wurde eine Neuverpachtung des Geländes in Aussicht genommen. Die Firmen Harzer Pflaster und Steinbrüche aus Langelsheim, Pächterin des Steinbruchs Rote Klippe bei Lautentha!, die Firma Kappel & Co. aus Wildemann, Pächterin der Steinbrüche in der Oberförsterei Grund, und die Firma Trogthalwerke aus Lautenthal, Pächterin des gleichnamigen Steinbruchs, richteten daraufhin Eingaben an den Revierverwalter der Oberförsterei Lautenthal mit der Intention, die Neuverpachtung zu verhindern. Der Magistrat der Stadt Wildemann wollte seinen Antrag zur Neuverpachtung trotzdem nicht zurückziehen, dieser wurde aber vom preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten am 4.4.1922 abgewiesen. Wiederholte Vorstöße, eine Neuverpachtung zu genehmigen, so z. B. durch den Zentralverband der Steinbrucharbeiter Deutschlands im Jahre 1928, wurden immer wieder mit den gleichen Argumenten abgelehnt:

• Durch eine Neueröffnung des Adlersberges wurde eine zu große Konkurrenz für die bestehenden Steinbruchbetriebe im Innerstetal befürchtet, deren Existenz damit gefährdet wäre.

• Hinsichtlich der Steinbrucharbeiter in Wildemann bestünde keine Arbeitslosennot. Es müssten im Gegenteil im Falle der Wiedereröffnung des Adlersberger Steinbruchs auswärtige Arbeitskräfte herangezogen werden, da die einheimischen Steinbrucharbeiter in den Steinbruchbetrieben im Innerstetal beschäftigt seien, die ohnehin dauernd einen Mangel an Arbeitern zu beklagen hätten.

Die übrigen Betriebe achteten sorgsam darauf, dass ihnen am Adlersberge keine neue Konkurrenz erwuchs. Die Tatsache, dass im alten Adlersberger Steinbruch Steine gewonnen wurden, war Anlass zu Beschwerden der anderen Unternehmen. Die Hildesheimer Bezirksregierung legte dar, dass es sich lediglich um vorübergehende Maßnahmen handele, da die Felswände des Steinbruchs abgeböscht werden müssten, "damit nicht bei den vielen im Walde umherspazierenden Kurgästen Unfälle entstehen". Es seien nur einige Arbeiter von anderen Firmen dort beschäftigt, die gewonnenen und zu gewinnenden Steinmengen seien darüber hinaus so gering, "daß Ihnen unmöglich damit ernstlich Konkurrenz bereitet werden kann".

Die Befürchtungen der Steinbruchpächter hatten ihre Ursache darin, dass die wirtschaftliche Situation der Steinindustrie schwierig war. Bereits im Jahre 1928 klagten Oberharzer Steinbruchbetreiber über mangelnden Absatz. Im Jahre 1930, als die Steinindustrie nach dem Willen der Parlamentarier und Politiker für den Oberharz wieder größere Bedeutung gewinnen sollte, war allgemein von einer Notlage der deutschen Steinindustrie zu hören. Im rheinisch westfälischen Raum, in Schlesien, in der Umgegend von Kassel und im Westerwald klagten die Unternehmer über schlechte Absatzmöglichkeiten ihres Stein und Schottermaterials. im Durchschnitt seien in dieser Branche 60% der Stammarbeiter erwerbslos.

In der Denkschrift zur Notlage im Oberharz aus der Feder des Postamtmann Barteld (März 1931), forderte dieser die stärkere Verwendung Oberharzer Steinmaterials beim Wegebau und der Eisenbahn.
(…)
Das Reichsverkehrsministerium lehnte eine verstärkte Verwendung der Grauwacke ab, da sie den "heutigen Anforderungen" nicht mehr genüge. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn habe "seinerzeit" ein Gutachten erstellen lassen, das negativ ausgefallen war. Nur die untere Hälfte der Oberharzer Brüche sei brauchbar, in der oberen Hälfte wären zu viele Schieferlagen vorhanden, so dass nicht zu vermeiden sei, dass unerwünschte Schiefermassen mit in den Kleinschlag gerieten. Die Zahlen, die Barteld angeführt habe, bezögen sich auf eine Untersuchung der Gesteinprüfstelle Kassel. Dort sei allerdings lediglich Material untersucht worden, das aus "gesunden Bänken" stammte. Unter diesen Umständen könne das Ministerium nicht auf die Reichsbahngesellschaft einwirken, Oberharzer Grauwacke zu verwenden.



Das Buch deckt für den Zeitraum 1910 bis 1933 alle Bereiche der Wirtschaft ab und ist durch die sorgfältig recherchierten und gut dokumentierten Quellen eine schier unerschöpfliche Informationsquelle (die Quellenverwiese habe ich aus o.a. Langzitat getilgt). Zum Buch insgesamt an anderer Stelle bei Gelegenheit noch mehr. Dieser Band IV der Buchreihe "Montanregion Harz" ist übrigens nur ein Band der Reihe, die inzwischen bei Band VIII angekommen ist.

Gruß --- Jürgen


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