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Dieses Thema hat 41 Antworten
und wurde 1.553 mal aufgerufen
 Harz: Forstwirtschaft, Holztransport und Holzverarbeitung
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pollux Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 331

10.06.2019 15:30
#16 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Grüß Dich Richie,
da ich im bayerischen Wald wohne - direkt am NP - machen mir Deine Ausführungen wieder Mut.
Danke dafür

Herzliche Grüße, Dieter


nettetal Offline



Beiträge: 766

26.06.2019 14:08
#17 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Moin,

am 23.6.2019 bin ich seit längerem mal wieder die Brockenrunde von Ilsenburg aus gegangen.
Wollte mal sehen wie es sich im Ilsetal geändert hat.
Die Sturmschäden dort haben sich recht gut wieder verwachsen.

Im Bereich der Ilsefälle sind aber die großen Fichten am Absterben - da wird es demnächst größere Veränderungen geben....

Der Hirtenstieg ist noch recht normal bewaldet.

An dem gelben Brink hinunter nach Ilsenburg sieht es doch recht seltsam aus.
Bei dem sonnigen und freundlichen Wetter war es ....



Aber der Waldboden ist grün durch Gräser und junge Bäume und Sträucher


Wald invertiert - ehemalige Schneisen sind nun bewaldet




Mit Grüßen

Jens


Feldbahn-Alex Offline




Beiträge: 1.266

27.06.2019 05:43
#18 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Wann wohl der erste "richtige" Waldbrand kommt...?

Und dann wird die Feuerwehr dankbar sein für die Walsbrandschneisen und gut ausgebauten Wege und...

Gruß
Alex


nettetal Offline



Beiträge: 766

29.06.2019 12:10
#19 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Moin,

heute in der HAZ

"Wurmberg droht Kahlschlag"


laut den niedersächsischen Landesforsten will man wohl ca. 80 ha fällen um die Entwicklung weiterer Borkenkäfergenerationen zu verhindern.

Ob das noch groß hilft ? zumindest scheint man noch andere Strategien auszuprobieren. Die wilden Totwälder sind ja ziemlich undurchdringbar durch die aufgetürmten Baumstämme und machen so unterstützende Baumpflanzungen oder Waldbrandbekämpfung sehr schwer...


es bleibt spannend

mit Grüßen

Jens


OOK Offline


BAE-Club-Mitglied



Beiträge: 5.507

04.04.2021 11:46
#20 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Gelöscht weil der Autor des zitierten Beitrages im Bimmelbahnforum dies wünscht (schade). Er hat ihn dort ebenfalls gelöscht.

OOK (Mod)

OOK.
www.0m-Blog.dewww.edition-jaffa.de
_______________________


nettetal Offline



Beiträge: 766

04.04.2021 23:17
#21 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Moin,

Ich habe ja bisher immer versucht die Waldentwicklung im Harz auch positiv zu sehen.
Bei meiner letzten Brockentour am 17.3.2021 verdecke Schnee einige "Mängel" - aber schon die Anfahrt über die B4 zeigte die großen betroffenen Flächen und im Brockenumfeld, hatte ich den Eindruck, dass auch vermehrt die jungen Fichten, die noch in den letzten 20 Jahre neu gewachsen waren, stark geschädigt sind - somit ist der Tiefpunkt wohl noch nicht erreicht.

Neuer Wald wird sicher kommen ! Aber es wird viel Zeit brauchen...und gepaart mit dem Klimawandel wird es wohl länger dauern, denn die Natur muss ja insgesamt neue Antworten finden.

Aber auch das Erkunden der neuen Ausblicke und das Entdecken des neuen Grüns wird spannend bleiben.




mit Grüßen

Jens


Volka Offline




Beiträge: 4.597

05.04.2021 17:05
#22 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Borkenkäfer, Nationalpark ... .

Wie lange haben wir eigentlich schon den Nationalpark? War der nicht mit unter einen der letzten Beschlüssen der DDR? Und gibt es einen Zusammenhang mit dem Borkenkäfer aus dem Nationalpark Harz / wegen der Nationalparkverwaltung mit den geschädigten Buchenwäldern im Hainich? Und war es nicht auch einfach und schön dem Waldsterben der Achtziger Jahre den Industrieabgasen in die Schuhe zu schieben. Richtig toll, war es damals auch aus dem Westen hämisch in die DDR und CSSR zu blicken, die Dank intensiver Nutzung von schwefelhaltiger Braunkohle so richtig Probleme hatten, aber nicht darüber gegenüber ihren Bürgern berichteten.

Aber wie wäre es denn mal anstatt dem eigenen Auto mal kurz mit dem wesentlich klimaneutraleren ÖPNV in den Harz zu fahren? Und ich fasse mir auch an die Nasenspitze und muss zugeben, dass tat ich zuletzt 2016. Also schaut mal bei www.bahn.de nach einem Plan für euren nächsten Trip und legt euch die Ausreden zurecht, die ich nicht hören möchte, weil diese auch meine sind.


Harzwanderer Offline



Beiträge: 1.227

06.04.2021 17:36
#23 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Hallo Volker,

Zitat von Volka im Beitrag #22
Wie lange haben wir eigentlich schon den Nationalpark? War der nicht mit unter einen der letzten Beschlüssen der DDR?

Nationalpark Hochharz (im heutigen Sachsen-Anhalt) seit 1.10.1990 = in der Tat: die "letzten Zuckungen" der DDR.
Nationalpark Harz (Niedersachsen) seit 1.1.1994
Vereinigung zum gemeinsamen Nationalpark Harz zum 1.1.2006

Zitat
Und gibt es einen Zusammenhang mit dem Borkenkäfer aus dem Nationalpark Harz / wegen der Nationalparkverwaltung mit den geschädigten Buchenwäldern im Hainich?


Eher nicht, oder nur mittelbar.

Gemeinsame Ursache in Harz und Hainich ist die Trockenheit der letzten zwei Sommer. Der Wirkmechanismus ist aber unterschiedlich. Die Fichten, die vor allem in höheren Lagen stehen, vertrocknen nicht direkt. Im Gebirge gibts wenigstens ab und zu noch Regen, daher schaffen es die Fichten noch. Aber der Trockenstress begünstigt massiv den Borkenkäfer, und das ist dann der "Killer", und zwar flächendeckend wegen der Monokulturen (alle Bäume ungefähr im selben Alter). Weiteres siehe unten.

Bei den Buchen wirkt weniger der Borkenkäfer, aber die Trockenheit direkt. Alte Buchen entwickeln tiefe Wurzeln, haben aber eher wenig oberflächennahe Wurzeln. Wenn in langen, trockenen Sommern die tiefen Bodenschichten ausdörren, dann vertrocknen die alten Buchen regelrecht. Kurze Regenschauer und Gewitter verhindern das nicht, weil sie nur den Oberboden wieder etwas befeuchten. ABER: im Buchenwald hat es typischerweise immer Nachwuchs von kleinen Buchen, weil Buchenwälder lichter sind und sich immer von selbst Nachwuchs einstellt. Wenn jetzt alte Bäume an der Trockenheit sterben, füllt der Nachwuchs schnell diese Lücke. Und er profitiert von kurzen feuchten Schauern und Gewittern, weil die Wurzeln der Jungbäume noch nicht so tief sind, und der junge Baum die Feuchtigkeit auch nicht in so große Höhen transportieren muss. Ergo: junge Buchen schaffen es eher durch die Trockenheit und füllen die Lücken.

Dazu kommt, dass auch das Vertrocknen der alten Buchen nur punktuell ist: an ungünstigen Standorten, wo besonders wenig Wasser ist. 20-50m weiter kann es für die Wurzeln der alten Bäume schon wieder besser aussehen, und auch die alten Buchen überleben dann (mit Schäden zwar, aber sie sterben nicht ganz). Ichwar die letzten Jahre auch viel im Hainich wandern, und ja: auch dort sieht man viele Trockenschäden, aber eigentlich immer punktuell, niemals flächendeckend. Und der Nachwuchs ist das und nützt die Lücken. Also, im Hainich ein ganz anders Bild als im Harz: keine großen Kahlflächen, sondern einzelne vertrocknete alte Baumriesen (was immer ein sehr trauriger Anblick ist für mich, so ein jahrhunderte altes Lebewesen, und dann einfach dürr und kahl...), aber daneben andere Altbäume, die es (bis jetzt) geschafft haben. Insgesamt ein (noch) funktionierender und geschlossener Wald, trotz des Trockenstresses.

Der Borkenkäfer nun greift vor allem die Fichte an, die Laubbäume meines Wissens nach weniger. Daher ist der Borkenkäfer vor allem in den höheren Harzer Lagen ein Problem. Die Fichte wehrt sich gegen den Borkenkäfer mit verstärktem Harzfluss. Hat der Baum aber wenig Wasser und Trockenstress, kann er sich nicht genug wehren. Der Borkenkäfer gewinnt an manchen Bäumen, und kann sich dann verstärkt vermehren. Die verbleibenden Bäume kriegen so noch mehr Stress, verlieren auch, der Borkenkäfer gewinnt erneut, und das ganze verstärkt sich immer weiter. Ein lawinenartiger Prozess! Am Ende ist der ganze Wald tot. Im Harzer Fichtenwald habe ich ganz ganz selten einzelne Fichten gesehen, die es *irgendwie* geschafft haben, dem Käfer zu trotzen, während rundherum alles braun wurde. Warum auch immer Einzelbäume es schaffen. Ich hatte den Eindruck, das passiert vor allem in höheren Lagen, am Brocken so ab 900...1000m Höhe, wo nicht alles stirbt, sondern Einzelbäume überleben. In tieferen Lagen dagegen: eigentlich immer Totalschaden.

Das besondere Problem für mich im Harz: der Borkenkäfer macht nicht an der Grenze des Nationalparkes halt. Die Herren vom Nationalpark behaupten das zwar immer: man würde eine Pufferzone von 300m an der Grenze frei von Käfern halten, und das würde genügen, den Käfer aufzuhalten. Aber ich glaube das nicht. Das gilt vielleicht bei Windstille. Aber jeder von uns weiß, welche Stürme im Harz möglich sind. Da können die Käfer problemlos auch Kilometer zurücklegen. Und wenn sie dann einmal die Pufferzone überwunden haben und in ein bislang nicht befallenes Waldstück eingedrungen sind, haben sie dort Schlaraffenland, und in wenigen Jahren ist dort auch wieder Totalschaden. Also, die Behauptung des Nationalparkes, man könne den Borkenkäfer an den Grenzen abschirmen, ist hilfloses Wunschdenken. Und kann man ja im Harz nun leider(!!) inzwischen auch deutlich sehen.

Und das zweite Problem ist die Aussage, nach der Borkenkäferkatastrophe würde der Wald sich natürlich regenerieren. Klar wächst da was neues nach - aber wo vorher 100% Fichtenmonokultur stand, wächst auch wieder nahezu nur Fichte nach. Woher sollen denn auch Samen anderer Bäume kommen? Also kommt nahezu wieder derselbe Wald hoch wie vorher: fast nur Fichte, und alles in demselben Alter. Also: Monokultur wie vorher! Nichts mit klimaveträglichem Mischwald aus unterschiedlichsten Baum-Generationen. Und in 40-50 Jahren gibts dann die nächste Borkenkäfer-Katastrophe.

Daher verstehe ich das Agieren des Nationalparkes nicht. Das Ziel, einen "Urwald" aus vielerlei Baumarten und vielerlei Generationen zu erzeugen, ist ja schön und richtig. Nur schafft man es nicht, indem man den jetzigen Wald einfach sich selbst überlässt. Man müsste stattdessen zum Anfang aktiv eingreifen, neue Sorten in den Wald bringen, einzelne Bäume heraus nehmen, damit Jungwuchs nachwachsen kann. Dies über mehrere Jahrzehnte, nach und nach. Dann hätte man allmählich einen entwicklungsfähigen Ausgangs-Mischwald geschaffen, den man auch sich selbst überlassen könnte.

Das aber macht der Harzer Nationalpark nicht, es widerspricht dem puristischen Leitbild, alles ab sofort von der Natur richten zu lassen und keinerlei "Starthilfe" zuzulassen. Das Ergebnis ist der furchtbare Waldzustand nicht nur im Nationalpark sondern auch außen herum.

Im Hainich passiert das nicht bzw. viel, viel weniger, weil es dort praktisch nur Laubbäume und fast(!) keine Fichtenmonokulturen gibt (ein paar Stückeln Fichte gibts dort schon auch, aber man muss sie suchen...).

Soweit mein Exkurs in die Untiefen der Nationalparke und der Klima-Auswirkungen auf die Bäume. Ich hoffe, es war nicht zu ermüdend...

Beste Grüße, Bernd


kuno, Volka, Drei Annen Hohne und Michael89 haben sich bedankt!
Volka Offline




Beiträge: 4.597

07.04.2021 20:40
#24 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Hallo Bernd,

da hast Du dir aber ganz viel Zeit genommen mir zu antworten - herzlichen Dank! Ich schaffe es nicht soweit auszuholen. Jedoch ein paar Gedanken von mir:

Wenn in einem Buchenwald normalerweise eine Buche stirbt, so wächst eine neue zur bekannten Größe heran. Kann sie das denn auch erreichen, wenn der Boden in den Tiefen immer noch zu trocken ist?

Und ich weiß nicht wie lange der Nationalpark schon diese Borkenkäferstrategie verfolgt hat bis sie zu dem wurde, was sie jetzt ist. Und offensichtlich haben andere Faktoren diesen Zustand letztendlich begünstigt. Wie lange wird sich neuer, natürlich entwickelter Fichtenwald halten, wenn sich die Bedingungen nicht ändern? Wird die umgebende Forstwirtschaft wieder Monokulturen an Fichten pflanzen, wenn sie absehen kann, dass es erneut schief gehen wird?

Bevor ich dies schrieb, habe ich mir zum eigenen Trost nochmal die Anmerkungen von Ritchie auf der vorhergehenden Seite durchgelesen.

Positiv denken, negativ bleiben!

Volker


Harzwanderer Offline



Beiträge: 1.227

08.04.2021 12:27
#25 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Hallo Volker,

ich hab nur deshalb etwas mehr geschrieben, weil ich das Thema einerseits spannend, andererseits aber auch sehr berührend finde.
In Jena, wo ich wohne, haben wir auch viele alte Buchenwälder auf Kalk-Untergrund, genau wie im Hainich. Die hatten dieselben Probleme mit der Trockenheit.
Und manchmal nachts oder morgens, wenn man noch im Bett liegt, hört man ein großes Krachen und Splittern aus dem Wald ein paar hundert Meter weg. Da bekommt man erstmal immer einen großen Schreck.
Und dann weiß man: jetzt ist wieder eine der mächtigen alten Buchen umgestürzt, die es eben nicht mehr geschafft hat... traurig.
Die Zusammenhänge, warum die alten Buchen auf diesen Kalkböden besonders gefährdet sind und die jungen Buchen es manchmal besser schaffen, hat uns der Jenaer Stadtförster erklärt.

Zitat von Volka im Beitrag #24
... so wächst eine neue zur bekannten Größe heran. Kann sie das denn auch erreichen, wenn der Boden in den Tiefen immer noch zu trocken ist?

Ich würde vermuten, sie könnte schon - es würde nur länger dauern. Die Buchen müssten (und würden) mehr Kraft in Wurzelwachstum als in Kronenwachstum investieren, und dann ginge das auch. Es dauert dann eben nur länger, bis der Alt-Baum die stattliche Größe erreicht hat. Bzw. auch die Alt-Bäume werden nicht mehr ganz so groß.

Trotzdem hätte es vermutlich 2 Probleme:
a) wenn es generell (=über viele Jahre bzw. Jahrzehnte) zu trocken ist, reicht das verfügbare Wasser insgesamt nur noch für weniger Bäume pro Fläche. D.h. es würde nicht mehr der geschlossene Buchenwald existieren, den wir kennen, sondern ein lichterer Trockenwald. Da fühlt sich aber dann die Buche auch nicht mehr so wohl, und es würden allmählich andere Baumarten dominieren, vielleicht Eichen, vielleicht Robinien, oder so. Das ist dann auch noch "Wald", aber eben eine andere Art Wald.

b) das große Problem beim Klimawandel ist nicht nur, dass es allmählich wärmer und trockener wird - sondern, dass die Extreme zunehmen! Längere und wiederholte Trockenperioden, und dann wieder Starkniederschläge, die so heftig kommen, dass der Boden das Wasser gar nicht aufnehmen kann. Beide Extreme bedeuten Stress für den Wald (sowohl die Buchen als auch die Fichten). Wenn die Extreme zunehmen, werden die Stressphasen für die Bäume länger, und die Phasen mit günstigem Klima (wo sich die Bäume erholen, regenerieren und Kraft für die nächste Extremphase sammmeln könnten) werden kürzer. Und wie lange der Wald das "ab kann" - das muss man sehen. Im Extremfall verschwindet der Wald an vielen Stellen zugunsten einer Dornen-Gestrüpp-Vegetation mit wenigen Einzelbäumen, wie man es aus Süditalien oder Portugal oder ähnlich kennt. Ich denke, dieser Übergang dauert viele Jahrzehnte, also werde ich das (hoffentlich!) nicht mehr erleben... aber es kann der Endzustand sein, der dann zu unserem "neuen" Klima passt. "Schöne neue Welt ..."

Zitat
Und ich weiß nicht wie lange der Nationalpark schon diese Borkenkäferstrategie verfolgt hat bis sie zu dem wurde, was sie jetzt ist.


Von Anfang an.
Das Prinzip "Die Natur Natur sein lassen" ist der heilige Gral aller Nationalparks, weltweit. Es ist das Grundprinzip, die Heilige Kuh, an die man nur ganz ausnahmsweise und an wenigen Stellen bereit ist, in Frage zu stellen. Und weil die "neuen" Deutschen Nationalparks in den 1990er natürlich nun beweisen wollten, dass sie mit den anderen Nationalparks auf der Welt (die schon viele Jahrzehnte bestehen und in dieser Zeit das genannte Prinzip *allmählich* entwickelt haben!) problemlos mithalten können, versuchen sie, diesen Ansatz von vornherein so puristisch wie nur möglich durchzuziehen. Nur - dass die Natur eben noch gar nicht soweit ist, und ein *allmählicher* Übergang dem Ziel viel besser entsprechen würde, das sehen die Nationalparkler nicht, oder wollen es nicht sehen. Aus meiner Sicht: das Ziel ist schon richtig, aber der Weg (in dieser puristischen Form) ist falsch.

Zitat
Wie lange wird sich neuer, natürlich entwickelter Fichtenwald halten, wenn sich die Bedingungen nicht ändern?


Junger Fichtenwald ist wenig anfällig für Borkenkäfer. Die Käfer gehen nicht gern in junge Bäume, erst ab einem Alter von 40-50 Jahren geht das wohl los. Warum das so ist, weiß ich nicht genau. Vielleicht lieben die Käfer die langen, unbeasteten unteren Stammabschnitte älterer Fichten besonders - junge Bäume haben noch Äste bis unten und keinen freien Stamm, also fühlt sicher der Käfer da wenig wohl... Vielleicht ist es das.
Wenn man einen alters-gemischten Wald hätte, mit allen Baum-Generationen drin, dann würden immer ein paar Bäume in dieses gefährdete Alter kommen und vielleicht dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. Aber es wären immer nur wenige, und es wären immer auch andere, ungefährdete Bäume da. Also würde sich nie diese Bestands-"Explosion" des Borkenkäfers vollziehen können, sondern es wäre ein konstanter Befallsdruck auf niedrigem bis moderaten Niveau. Der Wald insgesamt würde "funktionieren" (und ein wenig Borkenkäfer gehört zu diesem "funktionieren" dazu - der Specht will ja schließlich auch von was leben...)
In dem Wald, der jetzt nach den Kahlschlägen wieder hochwächst, sind aber alle Bäume wieder ungefähr im gleichen Alter - keine Altersmischung. D.h. die nächsten 40 Jahre wächst dieser Jungwald relativ ungefährdet vom Käfer heran - aber dann... dann kommen alle Bäume ungefähr gleichzeitig in das Alter, wo die Gefahr durch den Borkenkäfer zunimmt. Und es sind zum allergrößten Teil auch wieder Fichten. Also ziemlich genau dieselbe Fichtenmonokultur, die wir jetzt auch haben. Ergo wird dann in 40, 50, 60 Jahren irgendwann genau dasselbe passieren wie jetzt, die nächste Borkenkäfer-Explosion.
Wenn nicht durch Stürme, Klimawandel, Trockenheit etc. dann sowieso schon alles anders ist. Oder der Mensch doch eingreift und durch konsequenten Waldumbau und Eingriffe den Wald so gestaltet, dass er weniger anfällig wird. Was aber im Nationalpark bedeuten würde, die "Heilige Kuh" zu schlachten und eben Eingriffe durch den Menschen doch zuzulassen.

Zitat
Wird die umgebende Forstwirtschaft wieder Monokulturen an Fichten pflanzen, wenn sie absehen kann, dass es erneut schief gehen wird?


Einzelne Waldbesitzer, die eher am Geld interessiert sind, werden weiter auf Fichtenmonokultur setzen. Die Fichte ist nicht umsonst der "Brotbaum" der Forstwirtschaft. Da aber sowieso eher zuviel Holz am Markt ist, setzen viele Forstwirte auf langfristige Strategien zur Erhaltung des Waldes, also den Umbau zu Sortenmischung und Altersmischung. Wieviele der Forstwirte den einen Weg gehen, und wieviele den anderen, kann ich nicht sagen, da kenne ich mich zuwenig aus.
Aber da ich diese "Waldumbau-Ziel" von vielen Forstämtern kenne, glaube ich schon, dass der "aktiv gemanagte" Wald in einigen Jahrzehnten diverser und reichhaltiger sein könnte als heute. Zwingend dafür ist aber eben der aktive Waldumbau über viele Jahrzehnte. Also das, was viele Forstwirte machen - was aber der Nationalpark gerade ablehnt. Insofern könnte es tatsächlich passieren, dass in 40,50,60 Jahren der bewirtschaftete und umgebaute Wald typischerweise stabiler und ökologisch sinnvoller ist als der Wald im Nationalpark, wo man einfach der Natur ihren Lauf lässt und damit erstmal doch nur wieder Fichtenmonokultur bekommt.
Und genau das ist die "perverse" Entwicklung, die ich befürchte, und weshalb ich dem (an sich klugen Prinzip eines) Nationalpark(es) im Harz im Moment nicht viel abgewinnen kann.

Beste Grüße, Bernd


Bergmensch, Volka und kuno haben sich bedankt!
Bergmensch Offline




Beiträge: 3.285

08.04.2021 13:30
#26 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Hallo zusammen,
genau auch meine einschätzung Bernd.
Sehr gut hast du die Probleme erkannt und beschrieben.
Nur wollen das viele nicht wahr haben.
Wobei die ganze Problematik der (Un)Wetterprobleme auf den Waldboden dabei noch nicht berücksichtigt ist.
Auf einen Waldboden der vom Starkregen weggespült wurde kann leider auch nichts mehr wachsen und die Festigkeit im Boden ohne oder wenig Wurzelwerk ist nicht gerade ein erfreulicher Gedanke. Außerdem wird neues leckeres Blattwerk dem Wild als Aesung sehr gefallen.

Gruß von ganz oben, der Bergmensch 🙋‍♂️


kuno hat sich bedankt!
viereKa ( gelöscht )
Beiträge:

08.04.2021 17:50
#27 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Hallo Bernd,
ist ja lustig, dass man meinen Text hier findet, aber ich habe mich über Deine Einschätzung sehr gefreut. Dort im Bimmelbahnforum haben ja Leute über den Harzwald schwadroniert, die weit weg wohnen.
Ich habe jetzt die letzten Jahre regelmäßig in der Volksstimme die Meinungen der Verantwortlichen des Nationalpparkes gelesen. Aber auch die Meinungen der Waldbesitzer standen da drin und ebenfalls die der Dame, die sich Umweltministerin nennt und Dalbert heißt. Es wurde herumgedalbert.
Irgendwann (weiß nicht mehr ob 2016/17) bin ich mit einer Gruppe von Ilsenburg zum Torfhaus gewandert. An der Eckertalsperre begegnete mir der erste ausgedente tote Wald. Mein Cousin, Landschaftsgärtner, hat mir erklärt dass das normal ist, sich der Wald neu aufbaut usw. usf.
2018 war dann schon bei einer Fahrt auf den Brocken mit dem Harzkamel dort und weitere große Bereiche tot. In der Volksstimme meinte der Herr Pusch (Nationalpark) alles gut, wunderbar. Die Waldbesitzer stöhnten, wiesen darauf hin, an den Rändern etwas zu machen. Braucht man nicht sagte Tante Dalbert und Herr Pusch.
2019 fingen die Fichten um Beneckenstein an, die ersten waren am Wegesanfang gefällt.
2020 war der Wald an unserem Lieblingsweg sehr licht. Unsere Lieblingsbank wurde genutzt, kurz danach merken wir dass wir die Klamotten wegschmeißen können, da von dem herrlichen stattlichen Baum dahinter das Harz nur so auf die Bank getropft war.
In Alexisbad fuhren die großen LKW durch den Wald. Die Stämme werden dort in Container geladen und dann ab in einen Hafen, aufs Schiff und nach China !!!!
Und immer noch wurde diskutiert. Gut, das Waldsterben war auch durch die Trockenheit begünstigt, aber man tat NICHTS gegen den Borkenkäfer am Rand des Nationalparks. Abgesehen davon, dass es zu dem Zeitpunkt auch schon zu spät war.
Auf dem Weg von Friedrichsbrunn nach Merkelbach haben wir uns Rindenreste angeschaut. Sagenhaft, was man da für viele Borkenkäferlöcher sah.
Und jetzt kommt es.
Vor einigen Monaten plötzlich kommen von der Tante Dalbert in der Volksstimme kritische Worte, dass man hätte wohl doch etwas mehr gegen den Borkenkäfer hätte versuchen sollen.

Insofern denke ich mittlerweile dass das vielleicht auch nichts gebracht hätte (weil zu spät) , aber man hätte es versuchen können "!!!!!!
Die rosagrüne Brille die im Bimmelbahnforum jemand aus dem Sauerland loslies ging mir irgendwie auf die Eierstöcke.
Und mir gehen diese ganzen Jungjuppis auf den Geist, die Freitags mit Plakaten durch die Gegend brüllend laufen.
Wenn jeder von denen in einem kranken Wald (und von denen gibt es in D überall welchen) einen Baum gepflanzt hätte, dann hätte das mehr gebracht.
Den Vorschlag habe ich dieser Gruppe "Freitags für Zukunft" (ich spreche Deutsch und wohne nicht in England) mal per Mail gemacht. Darauf gab es sogar eine Antwort: "Das werden wir diskutieren". Wahrscheinlich sind die noch immer am Diskutieren.

In diesem Sinn
Gut Holz
cu
Hans-Jürgen

PS
Mein Cousin meinte mal dass im Bayerischen Wald vor Jahren schon mal der Wald abgestorben war. Stimmt, auch im Erzgebirge (sauerer Regen usw.) aber da war das nicht so großflächig.


nettetal Offline



Beiträge: 766

08.04.2021 17:59
#28 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Moin,

dass junger Fichtenwald vor Borkenkäfern sicher ist, kann ich mit meinen Beobachtungen am Brocken nicht bestätigen.... ich befürchte, da geht auch so manches an jungen Fichten im Nationalpark nochmal verloren....


Was ist der richtige Weg des Umbaus ?

Ist eine Mischwald Anpflanzung nun eine richtige Starthilfe für den Übergang und Bodenschutz ? ....

oder ist es erneut nur eine Startvorlage in eine falsche Richtung ?


Anderseits ist der Wald im Nationalpark ja eh nicht gänzlich ohne menschlichen Einfluss - es liegt ja Wirtschaftswald drum herum und das Gebiet wird auch durch dem Menschen genutzt....

Wald ist auch immer Abbild einer Entwicklungsgeschichte - und im Harz gehört nun die Phase der Fichtenmonokultur mit dazu.

Den hoffentlich zukunftfähigen Mischwald muss die Forstwirtschaft um den NP-Wald drum herum finden.
Auch dass wird einen Einfluss auf den NP-Wald haben.

Hat der NP überhaupt genügend Mittel um Maßnahmen im nennenswerten Umfang machen zu können ?

Was ist im Hinblick auf den Klimawandel richtig und notwendig ?


Zumindest dürfte der Vergleich zwischen dem neuen Wirtschaftswald und dem "Ur Wald" interessant sein.

Ausgehend von der These: das der Mensch die Natur braucht, aber die Natur den Menschen nicht!
sollte man vielleicht auch etwas Vertrauen haben, dass es die Natur auch hin bekommt.... vielleicht etwas anders, als es sich der "beschränkte" Mensch sich so vorstellt.

...und der Gedanke ist ja gerade beim Urwald, dass der Mensch mal nicht seine Umwelt gestaltet.


es bleibt spannend

mit Grüßen

Jens


nettetal Offline



Beiträge: 766

09.04.2021 01:23
#29 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Moin,

mein voran Geschriebenes, schliesst ja nicht aus, dass man einen Urwald auch aus einem Mischwald heraus starten könnte.


Anfang der 90er Jahre hätte man den Fichtenwald zunächst auch in einen Mischwald überführen können - wirtschaftlicher Holzeinschlag hätte den Umbau teilfinanzieren können.


Damals war aber die Klimaproblematik noch nicht so drängend und man hatte wohl die Hoffnung, so einfacher und billiger zu einem "Urwald" zu kommen.


Klima begünstigt hat die Sache aber nun eine dramatische Entwicklung genommen.


Jetzt wäre eine Mischwald Zwischenstufe zum Urwald deutlich aufwendiger anzulegen und die Frage ist, ob es jetzt noch die beste Lösung ist, wo man schon 30 Jahre auf Urwald gesetzt hat?


mit Grüßen

Jens


Harzwanderer Offline



Beiträge: 1.227

09.04.2021 13:31
#30 RE: Was kommt nach dem Borkenkäfer? Antworten

Hallo Jens,

Zitat von nettetal im Beitrag #29
mein voran Geschriebenes, schliesst ja nicht aus, dass man einen Urwald auch aus einem Mischwald heraus starten könnte.

Aus meiner Sicht: dies ist sogar der einzig gangbare Weg.
Man kann ja einen Urwald nicht neu anpflanzen. Täte man das, käme alles mögliche heraus - nur kein Urwald...

Man kann nur einen bestehenden Wald allmählich umbauen: mehr Sorten, Bäume allen möglichen Alters gleichzeitig, Totholz drin lassen, Bewirtschaftung allmählich(!) zurück fahren.
Wenn man das über zwei bis fünf Jahrzehnte durchhält, wird man einem Urwald schon recht nahe kommen.

Wenn man dagegen den Wald (insbesondere im Harz: die Fichten-Monokulturen) einfach nur sich selbst überlässt und gleich gar nichts mehr macht, dauert die Entwicklung zum Urwald einige bis viele(!!) Waldgenerationen. Und eine Waldgeneration sind 100-200 Jahre!
Also wäre man auf diesem Weg (den der Nationalpark gerade geht) erst in 400 bis 1000 Jahren beim erstrebten Urwald...

Zitat
Anfang der 90er Jahre hätte man den Fichtenwald zunächst auch in einen Mischwald überführen können - wirtschaftlicher Holzeinschlag hätte den Umbau teilfinanzieren können.


Genau so!
Das wäre der sinnvolle Weg gewesen.
Nur kollidierte es eben mit dem Selbstverständnis des Nationalparkes - was eben lautet: KEINE Menschlichen Eingriffe erlaubt!

Zitat
Damals war aber die Klimaproblematik noch nicht so drängend und man hatte wohl die Hoffnung, so einfacher und billiger zu einem "Urwald" zu kommen.


Ich denke, letzteres ist der Hauptgrund. Die Umweltproblematik war ja zum Ende der DDR schon offensichtlich, d.h. der Fokus lag damals sicher mehr auf dem Schwerpunkt "Linderung der Folgen der Umweltverschmutzung" als auf dem "Klimawandel", aber beides ist recht ähnlich und miteinander verknüpft.

Nein, der Hauptgrund aus meiner Sicht ist wirklich, dass die Nationalpark-Begründer gesagt haben, man müsse den Wald nur sich selbst überlassen, die Natur richtet es dann schon. (Das stimmt zwar, aber es dauert eben ewig. Und zwischendurch ist es alles andere als gut...)

Und die Politiker fanden das prima - die Kosten waren überschaubar: ein paar Dutzend Stellen für Ranger und Verwaltung, ein bis zwei Immobilien, eine Anschubfinanzierung für ein paar Entwicklungspläne und für viele Hinweistafeln für Bevölkerung - und fertig ist der Nationalpark - ist doch toll!

Hätte man damals ehrlich gesagt, dass es Waldumbau über viele Jahrzehnte erfordert, um zum gewünschten Urwald zu kommen, hätten die Politiker wahrscheinlich skeptisch mit dem Kopf geschüttelt. Insofern haben sich damals die naiven Vorstellungen der Nationalpark-Begründer und der Politiker, die es entscheiden mussten, schon sehr gut passend zusammengefunden...

Zitat
Jetzt wäre eine Mischwald Zwischenstufe zum Urwald deutlich aufwendiger anzulegen und die Frage ist, ob es jetzt noch die beste Lösung ist, wo man schon 30 Jahre auf Urwald gesetzt hat?


Ginge auch jetzt noch!
Jetzt, wo die Kahlschlagsflächen noch kahl sind: einfach die Kinder und die Bevölkerung anstiften, woanders Samen zu sammeln, in den heimischen Stadtparks oder in den Laubwäldern des Südharzes. Bucheckern, Eicheln, Ebereschenbeeren, Ahorn, Kastanien, Lärchenzapfen usw. usf. - Ein Kilo kann jeder leicht sammeln und dann mal eine Wanderung zu den Kahlschlägen machen und sein Beutelchen mit Samen an diversen Ecken mit kühnem Schwung in den Wind streuen. Ein Kilo - das sind hunderte bis tausende Samen! Wenn einem solchen Aufruf im Verlauf von zwei, drei Jahren jeweils 500 Leute folgen würde, hätte man Millionen kleine Bäumchen diversester Sorten und diversester Herkunft erzeugt! Und den Rest macht dann wirklich die Natur.

Ich denke, es gibt genügend Menschen, die sich um den Harzer Wald sorgen und so einem Aufruf folgen würden, wenn man ihn nur konsequent in den Zeitungen und im Lokalfernsehen promoten würde. Und damit wäre wenigstens eine gewisse Verbesserung möglich.
Aber es wird nicht passieren. Denn dafür müssten die Herren vom Nationalpark über ihren Schatten springen... und ich glaub kaum, dass sie das tun, obwohl ihr Scheitern für jeden sichtbar ist.
Und wenn in 5 oder 10 Jahren die jetzigen Kahlschlagsflächen wieder dicht mit jungen Fichten bestockt sind, dann ist die Chance dahin. Da kommt dann kein Laubbaum mehr hoch, und keine Lärche und nix anderes mehr. Und damit ist dann die Fichtenmonokultur wieder auf viele Jahrzehnte festgelegt. Schöner Nationalpark...!

Traurige Grüße, Bernd


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